Corona-Alltag: Türsteher stehen vor dm

Bei dm steht jetzt ein humorloser Türsteher vor der automatischen Schiebetür und lässt Kunden nur noch mit zwei Meter Abstand zueinander in den Laden. Drinnen kann man den Leuten aber wieder auf die Pelle rücken und ihnen in den Nacken husten. Klopapier ist hier weiterhin nicht zu bekommen; eine Frau fragt naiv nach Einweg-Handschuhen. Mein Lieblingsshampoo («for men») ist auch ausverkauft.

In der Fußgängerzone stehen ein paar mittelalte Leute dicht zusammen. Man solle ja Abstand halten, erklärt eine Frau wissend. Stimmt schon, sagen die anderen und nicken eifrig. Voller wohligem Grusel malen sie sich anschließend aus, wie eine Ausgangssperre den Alltag ruinieren würde. Kurz schweigen sie. Die Frau dann: «Hat jemand Lust auf einen feuchten Zungenkuss?» Aber ja, alle sind begeistert!

Kriegsbeute

Mittagspause. In mehreren Einkaufswagen liegen Klopapierrollenpackungen; das gute Premium-Papier, vierlagig von Zewa! Doch schnell schwindet jede Hoffnung bei denen, die gerade durch den Eingang schreiten: «Alles schon wieder weg», ruft eine Mitarbeiterin, die durch den Laden eilt, ihrer Pause entgegen. Hinter ihr muss eine blutige Schlacht liegen. Die Sieger fahren ihre Kriegsbeute zu Kasse #1. Die Verlierer müssen sich einigen Packungen Taschentücher begnügen.

Am frühen Abend trägt eine Frau drei Packungen Klopapier aus dem Supermarkt. Ich überlege, einen Überfall zu begehen. (Lasse es, weil ich einen Falafel-Döner in der Hand halte.) Auf einer Mauer sitzt eine alte Frau, ruht sich aus und umklammert ihre eine Klopapierpackung. Sie weiß, dass sie ein leichtes Ziel abgibt. Ein Opfer. In den Gebüschen lauern schon Gestalten, die zu allem bereit sind.