Corona-Alltag: Maskiert im Aldi

Seit Montag herrscht Maskenpflicht in Supermärkten und Läden, in Bussen und Bahnen. Vor dem Aldi-Markt stehen zwei bullige Männer in schwarzen Shirts, auf denen «Security» geschrieben steht. Wir stehen an, aber falsch: «Sie müssen sich hierhin stellen!», ermahnt der Türsteher und deutet auf eine imaginäre Linie auf dem Bordstein. Nach einer erfreulich kurzen Wartezeit dürfen wir rein. Ich bekomme einen Einkaufswagen in die Hand gedrückt – ebenso meine Begleitung. Eigentlich brauchen wir den zweiten Wagen nicht, aber der ist verpflichtend, jede Person muss einen eigenen Einkaufswagen führen. Andernfalls würde das Universum in sich zusammenfallen und jegliche Existenz wäre vernichtet – ein reizvoller Gedanke, denke ich, als ich die Nutella-Gläser erreiche. (Eins davon stelle ich in meinen gigantischen Einkaufswagen. Nutella ist der beste Brotaufstrich aller Zeiten und hält mich quasi am Leben.)

Masken-Neid

Beim Obst fragt ein Mann, woher wir unsere Masken haben. Er sei auf der Suche nach einer solchen schlichten und vor allem schwarzen Maske. Meine Begleitung hat sie selber genäht, deshalb ist der Mann schwer enttäuscht. Er trägt eine seltsame Maske in seltsamer Batik-Optik, sie ist weiß und zu blau. (Der Mann hat in seinem Einkaufswagen liegen: Meica-Würstchen, eine Zwiebel, Ketchup und eine Packung AA-Batterien.)

Der Einkauf nervt, weil es zu viele Wagen in diesem Laden gibt und sich niemand an die einfachsten Verkehrsregeln hält. Jeder steht irgendwem immer im Weg, außerdem sind die Gänge zu schmal. Wegen der Maske kann ich schlecht nach unten gucken, sehe da nur die endlose Schwärze. Ich kann schlechter atmen und ständig habe ich Angst, dass die Maske wegrutscht oder mir aus dem Gesicht fällt. Die Security-Leute würden mich an den Schultern packen und mich auf die Straße werfen (und so weiter).

Babelturm aus Brokkoli

An Kasse #2 bildet sich eine lange Schlange, die aber nur so lang wirkt, weil es ja diesen Sicherheitsabstand gibt. Die Kassiererin kassiert hinter Panzerglas und in atemberaubender Geschwindigkeit. Ich weiß plötzlich wieder, was ich an Aldi & Co. hasse: Am Ende des Warentransportbands gibt es kein Auffangbecken für die kassierten Waren. Deshalb stapelt die Kassiererin die Produkte zu einem hohen Turm. (Ich habe kurz Angst, dass Gott denkt, dass dies ein neuer Babelturm werden soll. Dann erinnere ich mich, dass ich Atheist bin und keine Angst vor Gott haben muss.) Wir zahlen bargeldlos und verabschieden uns von den Security-Leuten. Frische Luft füllt unsere Lungen.