Ein Haus, zwei Kinder

Glosse. Alle Leute kaufen ein Haus und bekommen dann ein zweites Kind – oder sie bekommen erst ein zweites Kind und kaufen dann ein Haus. Der Drang ist offenbar riesig, ein Haus zu haben (und zwei Kinder). Nur wenige sagen: Ein Kind reicht, und die Stadtwohnung zur Miete auch. Die Häuser stehen am Rand der bekannten Welt, denn nur dort kann man sie sich noch leisten. Das alte Reihenmittelhaus kostet trotzdem eine halbe Million Euro. Oder mehr.

Da hocken die Leute also mit ihren zwei Kindern und überlegen, wie sie die Steckdosen mit dem WLAN verbinden können. Bisschen langweilig ist’s im Ort; einen Bäcker gibt es nicht (mehr) und der Nachbar von gegenüber ist ein bisschen rechts. (Er fährt ein Quad.) Der Bus kommt nur alle zwei Tage vorbei, deshalb brauchen die Leute noch zwei Autos – einen Mini und einen Volvo, um zur Arbeit zu fahren. Immerhin klingeln an Halloween zwölf ulkige Kinder an der Haustür, während in der Stadt niemand klingelt.

Die Siebträgermaschine verträgt nur frisches Gletscherwasser

Alle Leute haben zwei Kinder und ein Haus. Die Leute haben einen Thermomix und ein Rennrad von Rose oder Canyon. Die italienische Siebträgermaschine ist schick, aber sie braucht zwei Tage, um aufzuheizen. Sie muss außerdem alle fünf Minuten entkalkt werden und verträgt nur frisches Gletscherwasser. Ein Café gibt es im Ort leider nicht, dafür ist der Wald um die Ecke. Es duftet dort so wunderbar nach zersägtem Holz. Neulich hat ein Jogger eine Leiche gefunden, das war aufregend. Die Leute kaufen dann noch einen Hund, einen Welpen, der alle Etagen im Haus vollkackt. (Der ach so schlaue Staubsaugroboter verteilt den Kot gewissenhaft.) Dann kriegen die Leute noch ein drittes Kind und ein viertes. Hat man die alle gleich lieb? Na ja, jedenfalls ist der neue Carport zusammengekracht. Jetzt sind's wieder nur zwei Kinder. Und ein Haus.

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Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover, er schreibt Artikel über das Internet. Außerdem bloggt er Stadtgeschichten über Hannover. Mehr