Streaming: Neue Folgen gibt’s nur wöchentlich
Eine neue Serie entdeckt: Pluribus bei Apple TV. Tolle Serie, wir schauten uns zügig durch die ersten Folgen, dann der Schock: Nach Folge 5 war erst mal Schluss. Wir mussten bis Freitag warten, erst dann erschien Folge 6, und auch nur die. Wie damals, als ich auf eine neue Folge Akte X warten musste.
Bei Stranger Things macht Netflix das ähnlich: Die fünfte Staffel wird in drei Teile zerrissen. Furchtbar. Früher haben Netflix & Co. einfach alle Folgen einer Staffel auf einmal veröffentlicht. Ein echter USP gegenüber dem linearen Fernsehen. Ein paar Jahre später habe ich drei, vier Streaming-Dienste abonniert, zahle viel zu viel Geld für das Entertainment – und muss trotzdem eine Woche auf eine neue Pluribus-Folge warten.
Eigentlich, und das wäre ja schlau, müsste ich Apple TV kündigen und so lange warten, bis sämtliche Pluribus-Folgen online sind. Geht aber auch nicht, ich bin ja neugierig. Und das ganze Internet redet von Pluribus, wie damals bei GoT oder Severance. Ich will doch dabei sein, wie früher, als wir in der Schule die neueste Akte-X-Folge besprochen haben, die am Abend zuvor bei ProSieben lief. Carol hat also was entdeckt?!
Etsy: Liebevoll aus China verschickt?
Etsy ist ein Online-Marktplatz für kreative Dinge: handgemachte Produkte, individualisierte Geschenke, Vintage-Artikel sowie «liebevoll» gestaltete Kleinigkeiten. Statt großer Konzerne verkaufen hier vor allem kleine Shops, Künstler, Bastler, Designer – und Hexen.
Da ist auch eine liebe Oma, die dort ihre selbst gestrickten Toilettenhüte verkauft: Sie sitzt irgendwo mitten im Harz und arbeitet voller Hingabe und mit ganz viel Liebe an ihren Einzelstücken. Über jede Bestellung freut sie sich sehr. Sie hat bereits 30.000 Toilettenhüte gehäkelt. Wow, wie fleißig diese Oma ist!
Toilettenhut aus dem Gruselwald
Doch wieso dauert der Versand aus dem Harz über eine Woche und länger? Klar, jemand muss den Toilettenhut aus dem verhexten Gruselwald bugsieren, aber das erledigt der Postbote doch innerhalb eines Tages, oder? Kann es etwa sein – und das ist mein düsterer Verdacht –, dass der schöne Toilettenhut gar nicht aus dem Harz verschickt wurde?
Kann es sein, dass die Ware in Wahrheit aus Asien kommt? In einer Rezension zu einem personalisierten Korb schrieb tatsächlich jemand: «Versand hat über zwei Wochen gedauert. Lieferzeit und Versandverpackung machen den Eindruck, als käme [der Artikel] aus China.» Und es gibt weitere Beispiele im Netz.
Ohne Liebe, allerdings
Offenbar nutzen Verkäufer die Plattform, um billigen Krempel teuer zu verkaufen. Sie bestellen die Sachen einfach bei Temu oder anderen Großhändlern und verkaufen sie in alle Welt. Ohne Liebe, allerdings. Ihr Etsy-Shop ist KI-generiert, die Texte, die Bilder, der ganze Kram. Alles Quatsch. Alles ausgedacht. Zwar gibt es eine Filterfunktion: «Versand aus Deutschland.» Doch was nützt es, wenn die Händler schlicht lügen und den Kram eben doch aus dem Ausland versenden?
Bei Trustpilot hat Etsy derzeit eine Wertung von nur 1,4 Sternen (von 5) bei 18.700 Bewertungen. Viel Kritik ist dort zu lesen: «Die meisten Verfasser von Bewertungen waren von ihrer Erfahrung insgesamt enttäuscht.» Es gibt sogar Produkte, die gar nicht existieren: Die KI hat den schönen Toilettenhut erdacht und die Kunden werden reingelegt.
VHS-Videokassetten digitalisieren
Meine alten Videokassetten zerfallen bald zu Staub. Das ist schade, denn sie enthalten Aufnahmen aus meiner Kindheit. Ich muss die dringend digitalisieren und Erinnerungen retten!
Alte SVHS-Videos digitalisieren
Im Schrank lagen noch alte SHVS- und VHS-Kassetten herum, die bald zu Staub zerfallen werden. Angeblich halten die Kassetten etwa 20 Jahre oder deutlich länger, je nach Lagerung. Man sollte sie also frühzeitig kopieren oder digitalisieren. Genau das wollte ich endlich angehen und bestellte bei Amazon einen Video-Grabber für 13 Euro (Amazon-Werbelink). Als Input hat er Cinch (Audio/Video) und S-Video. Als Output dient USB-A. USB-C gibt's zwar auch, aber die Grabber hatten nicht so gute Bewertungen. Und es gibt ja Adapter.
Mein Equipment
- Video-Grabber von Amazon
- Cinch-Kabel (Audio/Video), siehe Amazon
- Open Broadcast Software (OBS)
- SVHS-Videokameras
- MacBook
Dann habe ich die beiden alten Videokameras aus dem Keller geholt, eine G101 von Panasonic, die mein Vater circa 1993 erworben hat. Zudem fand ich die alte VCC 651 von Bauer, die meinem Opa gehörte. Etwa ein Dutzend SVHS-Kassetten gibt es mit Aufnahmen aus dem Urlaub (Lanzarote 1995) oder seltsame Privataufnahmen von zu Hause sowie einige ultralangweilige Aufnahmen des Himmels – ich hatte offenbar versucht, Blitze einzufangen. Zudem fand ich Aufnahmen von der Sofi 1999 (größte Enttäuschung, weil es ein wolkiger 11. August war), außerdem Aufnahmen einer Ballonfahrt (1999), seit der ich Daniel Junker von Haimar heiße.
Es sind größtenteils öde Aufnahmen: Mein Vater hat eine Fahrt mit einer Tschu-Tschu-Bahn durch Bibione gefilmt, einen Urlaubsort in Italien. Nur kurz gerieten seine Söhne in die Aufnahme. Mein Opa hat auch allen möglichen Unsinn im Urlaub gefilmt, aber immerhin auch seine Enkel und die Familie. Mit der Software OBS habe ich die wichtigsten Aufnahmen digitalisiert, das funktionierte erstaunlich gut (aber eben in Echtzeit, gähn). Weil ich kein gelbes Video-Kabel hatte, nahm ich ersatzweise ein weißes Cinch-Kabel fürs Bild, das klappt auch. Dann wollte ich auch noch die alten VHS-Kassetten mit weiteren Privataufnahmen digitalisieren. Das war dann leider nicht so einfach, das Bild blieb schwarz. To be continued.
Story.one feiert KI statt Storys
Im März 2021 begann ich, Storys auf Story.one zu veröffentlichen. Das Konzept der österreichischen Plattform gefiel mir: Eine Geschichte durfte maximal rund 3500 Zeichen1 lang sein. Andere Nutzer lasen meine Storys und kommentierten, was erstaunlich gut funktionierte. Die Community war lebendig und ich erhielt viel Feedback zu meinen Geschichten, außerdem Likes und Views. Darüber war ich sehr überrascht, weil ich mir bei der «Vermarktung» kaum Mühe gab – ich stellte die Inhalte einfach online und wartete ab.
- Oder waren es anfangs sogar nur 2500 Zeichen? Das ist auch möglich, genau weiß ich es nicht mehr.
Ich freute mich sehr über die vielen netten Worte der Menschen, denen meine Storys gefielen. Motiviert nahm ich recht spontan am «Young Storyteller Award» teil und errang den 3. Platz. Fantastisch. Doch dann wurde die Plattform überarbeitet, vor zwei Jahren erfolgte ein großer Relaunch. Oh, no.
Die Views-Angaben meiner Storys gingen verloren, zudem versteckt die Website die Geschichten der Nutzer anstatt sie prominent auf der Startseite zu verlinken. Die «Story des Tages» ist passé. Wenn ich heute eine Kurzgeschichte auf Story.one online stelle, erhalte ich zwei Likes, keinen Kommentar und 29 Views. Natürlich kann es sein, dass meine Storys einfach schlechter geworden sind. Dass ich mein Mojo verloren habe und nur noch gepflegten Unsinn schreibe. Kann sein. Wer weiß? Die Plattform hat jedoch ihre Ausrichtung geändert.
KI als Ghostwriter
Im Fokus von Story.one steht nun die generative KI: Sie soll quasi als Ghostwriter «in wenigen Stunden» ein professionelles Buch erzeugen. Als Basis dienen Texte, Blog-Beiträge, Skripte, YouTube-Videos, Podcasts und anderes Material, das die KI analysiert, strukturiert und anreichert. Man muss der KI nur ein Briefing geben und abwarten, derweil bastelt eine «neurosymbolische KI» das Werk zusammen.
Dabei geht es aber nicht um fiktive Geschichten, sondern um «research-basierte» Sachbücher. Die verkaufen sich wahrscheinlich besser als die seltsamen Storys, die früher den Charme von Story.one ausmachten. Die FAZ wittert jedenfalls schon eine «KI-Revolution bei den Sachbüchern». Wenn es denn so einfach wäre. Ich schreibe meinen Unsinn weiterhin selbst und veröffentliche ihn auf meiner eigenen Website.