Mehr Arbeit, weniger Homeoffice
Glosse. Viele Firmen haben eine Obsession mit dem Homeoffice entwickelt, aber im negativen Sinne. Überall sollen die Arbeitnehmer wieder ins Büro kommen, am liebsten jeden Werktag. Das Heimbüro soll, wie früher, eine Ausnahme bleiben, etwa wenn der Klempner ein paar Rohre aus der Wand reißt. Noch gewähren die meisten Firmen ihren Mitarbeitern ein oder zwei Tage im Homeoffice. Zähneknirschend und womöglich nicht auf Dauer.
Wenn sich der Wind dreht und alle wieder um ihre Jobs fürchten müssen, können die Chefs endlich rufen: «Seid doch froh, überhaupt Arbeit zu haben! Seid dankbar, macht Überstunden!» Es gibt doch auch einen Obstkorb (nur leider sind die Äpfel vergammelt).
Teilzeit ist schlecht, Homeoffice ist schlecht
Generell sollen alle mehr arbeiten. Logisch: Wer länger am Schreibtisch sitzt, schafft doch auch mehr. Wer mit dem Geist arbeitet, kann ja mehr Kaffee konsumieren. Herr Merz, den einige Menschen als Kanzler gewählt haben, möchte auch, dass das Volk fleißiger arbeitet. Mahnend redet uns der Kanzler ins Gewissen, es bedarf einer gesellschaftlichen Kraftanstrengung.
Teilzeit ist schlecht, Homeoffice ist schlecht, Arbeitslose sind schlecht. In Deutschland gilt: Arbeit ist alles. Das Kind erzieht sich schon von selbst und eigentlich kann es auch allein von der Kita nach Hause gehen, die KI kann ja helfen. Vom SUV wird es auch nicht mehr überfahren, denn die Elterntaxis parken auf dem Firmengelände – Papa und Mama schuften für Deutschland, für Merz, für den Wohlstand. Derweil verbrennen alle, die nicht mehr leisten können. Aber bitte: Nehmt euch doch einen Apfel.
E-Bikes sind zu teuer
Vor drei Monaten ist mein VanMoof kaputtgegangen. Deshalb suche ich einen Nachfolger. Bis ich den gefunden habe, fahre ich mit meinem «analogen» Schindelhauer (Siggi) zur Arbeit – und das ist anstrengend. Es weht stets Gegenwind. Immer. Jedes Mal. Jeden Morgen. Im Laufe des Tages dreht er, damit ich auf der Rückfahrt auch strampeln muss. Und ich schwitze, selbst wenn ein kalter Gegenwind bläst. Die Sache ist doch klar: Ich brauche ein Auto, äh, ein E-Bike.
Also treibe ich mich auf Websites von Fahrradherstellern herum und prüfe das Angebot. Zwar finde ich passende Räder, das schon, aber dann sehe ich deren Preise: 4400 Euro, 4900 Euro, 5600 Euro! Das sind keine Lastenräder, die ich mir anschaue, sondern reguläre E-Fahrräder, ohne Schnickschnack – der kostet noch einmal extra. Warum sind die Bikes nur so teuer? Der Hersteller Kalkhoff versucht sich an einer Antwort: «Man muss sehen, dass in E‑Bikes deutlich mehr Technologie drinsteckt. Allen voran stehen hier natürlich die Elektromotoren und die Akkus. Diese Komponenten sind teuer in der Entwicklung und Herstellung.»
Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Viele Räder sind nicht geeignet, um einen Kinderfahrradsitz anzubauen. Cube schreibt auf seiner Website ganz explizit: «Die Montage eines Kindersitzes am Sitzrohr unserer Bikes mit dünnwandigem Aluminium-Rahmen ist nicht freigegeben.» Schade, schade. Aber der liebe Sohn soll ja mitfahren.
Für mein S2 zahlte ich vor sechs Jahren knapp 2500 Euro1, was ich damals ganz schön viel fand. Aber kein Vergleich zu heute. Ich bin jetzt also einigermaßen schockiert, dass ich in ganz andere Preisklassen aufsteigen soll, um ein anständiges Elektrorad zu bekommen. Wahrscheinlich bekomme ich für deutlich weniger Geld einen gebrauchten Skoda, so ein robustes Arbeitstier, mit dem ich doch auch durch den Wald brettern kann. Nice wäre ja eine Förderung von der Regierung, dass Merz sagt: «Leute, 2000 Euro gehen auf meinen Nacken.» Schade, dass Merz & Co. lieber in Autobahnen investieren and what not. Mir bleibt also nur eins: einen Banküberfall2 zu begehen! Oder in Crypto zu investieren. Aber mal schauen.
- Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich lieber mehr bezahlt hätte, wenn die Qualität des Rades (und des Motors) dann besser gewesen wäre.
- Das ist natürlich ein Witz, haha. Ich glaube, es gibt Banküberfälle gar nicht mehr, zumal es geöffnete Banken nicht mehr gibt. In den Sparkassen brennt jedenfalls selten Licht.
Browser sind öde – oder?
Wahrscheinlich machen sich die meisten Leute keinerlei Gedanken über Browser. Und das ist vielleicht auch gut so, denn allzu spannend sind die Dinger nicht – oder? Sind sie nämlich doch: KI macht nämlich auch vor Browsern nicht Halt und nistet sich dort als schlaue Assistentin ein.
Für heise online habe ich erst Dia und dann Comet getestet, zwei KI-Browser, die kontextbezogene Fragen beantworten können. Wenn ich also eine Webseite geöffnet habe, kann ich die KI fragen: «Was sind die Hauptaussagen?» Die KI versteht, welche Webseite ich meine und macht sich sogleich an die Arbeit. Sehr praktisch. Zudem kann die KI rasch E-Mails schreiben und abschicken. Auch bei Recherchen hilft sie weiter und kramt im Netz nach schönen Hotels oder Produkten. Ein neues E-Bike hat sie aber noch nicht für mich entdeckt. Schade.
Empfehlen kann ich vor allem Comet von Perplexity. Wer für einen Pro-Account zahlt, kann den Browser sofort installieren. (PayPal verschenkt gerade Perplexity Pro für ein Jahr.) Ich habe mich jedenfalls schnell an die Assistenz der KI gewöhnt, die ohne Murren meine blöden Fragen beantwortet und vor allem bei der Textarbeit wertvolle Dienste leistet. Man sollte sich aber die Datenschutzbestimmungen anschauen und von der KI zusammenfassen lassen, um zu verstehen, was mit den persönlichen Daten passiert. Einiges kann man abschalten (Opt-out), etwa dass Perplexity die Informationen zum KI-Training verwendet. Seine größten Geheimnisse sollte man der KI lieber nicht anvertrauen. Alternativ lädt man sich ein LLM lokal auf den Rechner, das geht etwa mit Ollama.
Meta verklagen
Im Mai schloss ich mich einer Sammelklage gegen Facebook an. Es ging da um ein Datenleck, bei dem auch meine Telefonnummer abgesaugt worden ist. Nun bietet sich eine weitere Möglichkeit, Geld von der Facebook-Mutter Meta zu bekommen – bis zu 10.000 Euro sind möglich. In meinem Fall kann ich immerhin mit 5000 Euro als Schadensersatz rechnen.
Siehe auch:
Es geht hierbei um die Meta-Business-Tools, die viele Websites eingebunden haben. Darüber kann Facebook erfahren, wo sich Nutzer im Web so herumtreiben. Geht aus der Online-Aktivität ein gesteigertes Interesse an Rucksäcken hervor, blendet Facebook fröhlich Werbeanzeigen zu Rucksäcken ein. Das Tracking ist intransparent und geschieht im Verborgenen. Gegen diese «illegale Meta-Überwachung» wendet sich eine Verbandsklage, bei der man sich in wenigen Minuten anschließen kann. Es entstehen keine Kosten. Alle nötigen Informationen und Hintergründe stehen auf meta-klage.de.
- Update, 22. November: Die Verbandsklage wurde Meta inzwischen zugestellt. Das OLG Hamburg hat eine Frist zur Klageerwiderung bis zum 8. Dezember gesetzt. «Wir gehen davon aus, dass das OLG Hamburg danach das Klageregister eröffnet», schreibt Rechtsanwalt Baumeister.
Gaggia Classic und der «Boilergate»
Nachmittags trinke ich gern einen Flat White. Damit ich dafür nicht mehr das Haus verlassen muss, erwarb ich vor knapp zwei Jahren eine Siebträgermaschine. Da tat sich eine neue Welt auf: Welcher Siebträger ist der beste? Womit soll ich anfangen? Welche Funktionen benötige ich wirklich? Nach einer langen Recherche und zu vielen YouTube-Videos traute ich mir endlich eine Entscheidung zu und bestellte die Gaggia Classic Evo Pro bei Roast Marked. Kaffee-Nerds schwärmen von dieser Maschine, und sie war mit 430 Euro auch nicht allzu teuer. Im Dezember 2023 kam sie bei mir an, die Gaggia war quasi ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Doch genau dieses Modell war leider ein Fehlkauf.
Am vergangenen Wochenende habe ich die Maschine mal wieder entkalkt, was immer ewig dauert, weil man das Gerät mehrmals mit Wasser und dem Entkalker durchspülen muss. Wasser läuft aus dem Brühkopf, Wasser schießt aus der Dampflanze und spritzt alles voll. Als ich zwischendurch in den Behälter schaute und das heiße Wasser darin betrachtete, fielen mir einige schwarze Partikel auf. Seltsam, dachte ich. Die sollten da nicht sein.
Erst vermutete ich, das sei vielleicht Kaffeepulver, das irgendwie in die Maschine gelangt war. Doch auch bei den nächsten Spülrunden kamen immer mehr kleine Partikel mit heraus – vor allem aus der Dampflanze (dem Dampfrohr). War das etwa Schimmel? Nein. Eine eilige Recherche im Netz ergab: Ich bin offenbar betroffen vom Boilergate.
- Gaggia Classic Pro Evo Boilergate Explained
- Boilergate – Woes with the new Gaggia Classic Pro Evo?
- Informationen bei Kaffee-Netz: hier und da.
- Reddit: Mysterious Black Specks from Gaggia Classic
Der Boiler in meiner Gaggia ist aus Aluminium und das ist innen mit einer Antihaftbeschichtung versehen. Die kann sich offenbar durchs Entkalken ablösen und tritt dann in Form kleiner Partikel aus der Maschine aus. Die Beschichtung heißt Exelia 3010/B242 und soll Kalkablagerungen vermeiden. Giftig ist das Zeug nicht, beruhigt Gaggia. Dennoch möchte ich keine schwarzen Partikel in meinem Flat White haben. Also habe ich Roastmarket geschrieben.
- Update, 2. Oktober: Nach einem längeren Mail-Austausch mit Roastmarket habe ich die Gaggia heute zum Kiosk gebracht. GLS wird sie nun hoffentlich ans andere Ende des Landes bringen, wo Experten die Maschine reparieren.
- Update, 13. Oktober: Die Maschine ist heute wieder bei mir angekommen. Der Boiler wurde durch einen unbeschichteten Alu-Boiler ausgetauscht, außerdem wurden noch zwei kleine Teile ersetzt. Das Begleitschreiben ermahnte mich, die Maschine weiterhin gewissenhaft zu entkalken.
- Update, 19. Oktober: Leider hat meine Gaggia nun aber einen fiesen Kratzer. Nicht allzu groß, aber tief. Wahrscheinlich hat der Lack den Kratzer bei der Reparatur abbekommen. Es sieht jedenfalls so aus, als wäre jemand mit einem Schraubendreher o. Ä. abgerutscht. Ich seufze hörbar und schreibe abermals dem Kundenservice von Roastmarket. (Der reagierte einen Tag später: «Wir haben soeben den Hersteller bezüglich einer schnellen Lösung kontaktiert.»)
- Update, 23. Oktober: Heute erhielt ich als «Kompensation für Lackplatzer am Gerät» einen schönen Siebträger mit Holzgriff von Gaggia. Der wertet die Maschine visuell natürlich deutlich auf! Damit ist die Angelegenheit nun beendet; den Kratzer werde ich mit einem Lackstift ausbessern. Oder mit ’nem Edding.