Mein Garten, mein Wiki
Viele Dinge in meinem Leben organisiere ich mit Notion, etwa meine Einkaufslisten. Aber auch Ideen sammle ich dort sowie persönliches Wissen, wie: «Warm zu duschen ist schöner, als kalt zu baden.» Man kann das Ganze als digitalen Garten verstehen – eine Philosophie, die dazu anregt, Ideen langsam gedeihen zu lassen. Zuerst steckt man einen Samen in die pixelige Erde und gießt ihn regelmäßig, damit eines Tages ein fertiges Essay entsteht. Den schickt man abschließend an den New Yorker! Also an das Magazin.
Idealerweise würde man den Garten selbst bauen, also mit Hammer, Kettensäge und Content-Management-System. Aber nicht jeder hat die Zeit dafür und die Fähigkeiten. Deshalb ist Notion eine gute Notlösung; für einen Schrebergarten auf Probe quasi. Ich habe darüber einen Artikel für heise online geschrieben: So lassen Sie Wissen wachsen mit Notion. Darin steht, wie man zügig loslegt. Das grundlegende Konzept hatte ich zuvor in einem anderen Artikel beschrieben.
Meinen eigenen Garten habe ich als persönliches Wiki in Notion angefangen, bin dann aber doch in mein CMS (ProcessWire) umgezogen, das auch diese Website antreibt. Ich baue da alles selbst, es sieht deshalb noch unfertig aus. Aber es ist trotzdem online: mein Wiki mit einigen Einträgen. Der Rest folgt.
X verklagen
Seit Februar 2009 bin ich mit meinem aktuellen Account bei X aktiv, das früher Twitter hieß. Weil X einige Datenschutzverstöße begangen hat, erhalten die Nutzer demnächst Schadensersatz in Höhe von mindestens 750 Euro. Wer betroffen ist, kann sich in ein Verbandsklageregister eintragen. Das kostet nichts und es besteht kein Risiko. Ich habe mich eben eingetragen, nachdem «ich» neulich schon Facebook verklagt habe. Wer zusätzlich von einem Datenleak betroffen ist, könnte weitere 250 Euro erhalten – oder mehr. Details hierzu stehen bei heise online.
Bei X poste ich übrigens keine neuen Inhalte mehr, stattdessen bei Bluesky. Doch den X-Account behalte ich noch, weil mein Nutzername damals ein echter Glücksgriff war: @berger. Vielleicht wird X eines Tages an Automattic verkauft und wieder in Twitter umbenannt. Und dann posten wir alle, was wir so machen. Wie früher.
Meinen allerersten Twitter-Account hatte ich 2007. Aus meinem Rom-Urlaub schickte ich kleine Texte via SMS an Twitter und freute mich viel zu sehr, dass sie tatsächlich im Internet zu lesen waren. Das war eine schöne Zeit.
- Update, 28. Mai: Heute erreichte mich ein Schreiben vom Bundesamt für Justiz. Es bestätigt meinen Eintrag in das Register und meine Anmeldung zur Verbandsklage gegen X.
Weniger am Handy sein
Als ich vor einigen Wochen endlich den Film Oppenheimer anschaute, langweilte ich mich schnell1. Der Film lief 3 Stunden lang auf dem großen Fernseher und ich daddelte nebenbei am kleinen Handy herum. Später wechselte ich zum iPad, das war wesentlich bequemer. Ich hätte den Film einfach ausmachen müssen. Doch ich hatte für den Film bezahlt und viele Leute waren so begeistert davon gewesen. Ich dachte: Der wird bestimmt noch spannend.
- Der Film ist gut, sicherlich, aber ich fand ihn zu lang und zu langatmig erzählt. What can I say? Manchmal braucht es eine zweite Vorführung: Zodiac von David Fincher fand ich beim ersten Angucken auch öde und verwirrend. Als ich ihn aber ein zweites Mal anschaute, gefiel er mir richtig gut. Die persönliche Stimmung spielt eben doch eine wichtige Rolle.
Also wartete ich am Second Screen darauf, dass mich der Film doch noch packt. Vielleicht war meine Abgelenktheit durchs Handy das Problem, vielleicht hätte mir der Film im Kino besser gefallen. Dort wäre ich zur Aufmerksamkeit verdammt gewesen; ich würde es niemals wagen, das Smartphone aus der Tasche zu holen. Zu Hause tendiere ich aber dazu, bei «langweiligen» Filmen und Serien schnell zum Handy zu greifen, um mich abzulenken. Wir alle machen das so. Oder?
Für einen Artikel habe ich mich näher mit diesem seltsamen Verhalten beschäftigt und mich auch mit der milden Handysucht befasst. Das Ergebnis ist nun bei heise online zu lesen: Weniger am Handy sein – so gelingt es (vielleicht). Obacht, Paywall.
Insta is Hell
Nach dem Schreiben des Artikels habe ich Sofortmaßnahmen ergriffen: Ich erlaube mir nur noch 10 Minuten Instagram am Tag. Und die gehen erstaunlich schnell herum. Eigentlich müsste die App hochkant von meinem Smartphone fliegen. Eigentlich. Immerhin habe ich Facebook und LinkedIn nicht auf meinem Telefon, das ist schon viel wert. Zeitfresser Nr. 1 ist derzeit jedoch Threads: Dort lese ich, was aktuell in den USA passiert. Doomscrolling, ahoi!
Facebook verklagen
Noch immer habe ich einen Facebook-Account. Manchmal logge ich mich dort ein und merke schnell, warum ich eigentlich keinen Account mehr haben sollte. Das Vertrauen ist ohnehin zerstört, seit meine Daten gehackt worden sind – auch meine Telefonnummer haben Hacker von Facebook erbeutet. Seitdem bekomme ich ständig Spam-Anrufe.
Immerhin kann ich mich nun einer Sammelklage anschließen und bekomme vielleicht ein paar Hundert Euro Entschädigung von Meta. Wer sich der Klage ebenfalls anschließen möchte, findet alle nötigen Informationen auf der Website der Verbraucherzentrale. «Ein Risiko gehen die Betroffenen nicht ein, wenn sie sich an der Klage beteiligen», beruhigt Spiegel.de.
- Update, 13. Mai 2025: Inzwischen erhielt ich ein Schreiben vom Bundesamt für Justiz. Es bestätigt meine «Eintragung in das Register».
- Update, 10. Oktober 2025: Es fand eine erste mündliche Verhandlung in Sachen Facebook statt. «Inhaltlich ergeben sich daraus keine neuen Erkenntnisse. Das Gericht hat sich aus verfahrensrechtlichen Gründen vertagt, ohne Aussagen in der Sache zu treffen. Ein neuer Termin wurde noch nicht bestimmt», schreibt das Team Sammelklagen im vzbv.
Die Website als «Digital Garden»
Für einen Artikel habe ich mich mit dem Konzept «Digital Garden» befasst. Es geht darum, die eigene Website als persönliches Wissensarchiv zu nutzen und halb gare Ideen zu veröffentlichen, die langsam gedeihen (wie ein Garten).
Ein guter Einstieg in die Philosophie ist ein schöner Essay von Maggie Appleton: A Brief History & Ethos of the Digital Garden. Da steht alles drin, was man wissen muss. Alternativ kann ich natürlich meinen Text empfehlen, der auf heise online erschienen ist. Allerdings hinter der Paywall, denn guter Journalismus kostet Geld.