Essay

Ein Haus, zwei Kinder

Alle wollen zwei Kinder und ein Eigenheim. Das mit den Kindern kann gut klappen – mit dem Haus wird's leider schwierig. Wie enttäuschend.

Lesezeit: 3 Min.

Allmählich dämmert es mir: Ich werde wohl kein Hausbesitzer mehr werden. Ich bin 40 Jahre alt und die Hälfte meines Lebens ist vorbei; oder etwas weniger, eventuell 40 Prozent (wenn ich 100 Jahre alt werde). Klar ist, dass die Zeit immer schneller vergeht und dass immer weniger Zeit bleibt, ein Haus abzubezahlen. Die halbe Million, die selbst ein Reihenhaus kostet.


Viele Leute haben ihr Leben streng durchgeplant: Schule, Führerschein, Abitur, Studium und dann viel Geld verdienen, Karriere machen und sich hocharbeiten, um dann (als Belohnung) endlich ein Eigenheim zu erwerben. Es folgt: Arbeit, um den Kredit abzubezahlen, und zwei Kinder und womöglich noch ein Hund. Da stehen sie dann in ihrem schmalen Garten und fackeln Würste aufm Grill ab. Die Nachbarn rauchen und kiffen, die Nachbarn brüllen und sägen, die Nachbarn bohren und labern.


Die Realität ist bitter: Häuser sind teuer und zu teuer. Träume platzen und so langsam dämmert es mir, dass ich womöglich ewig Mieter bleiben werde, weil ich kein CEO geworden bin. Schlecht geplant, schade. Fällt diese Motivation aber weg – warum dann noch hart arbeiten? Wenn es keine Belohnung gibt, wieso sich das Leben erschweren, wieso sich bücken, wieso 60 Stunden ackern, wieso sich beim Chef einschleimen – wieso das alles, wenn man am Ende nicht das versprochene Haus bekommt, dem wir alle doch entgegenfiebern?


Freunde der Fremden haben sich jüngst ein Haus gekauft. «Wir versuchen seit Monaten, einen Termin zu finden», sagt die Frau. «Aber die Fahrt dauert ja auch eine halbe Stunde!» Auf dem Spielplatz reden die jungen Eltern gern über Häuser: die sie kaufen möchten, die sie gerade sanieren, in die sie bald einziehen werden. «Wollt ihr noch ein zweites?», fragt die Mutter die andere. Sie meint kein zweites Haus, sondern ein zweites Kind. Die meisten möchten zwei Kinder. Und ein Haus.

«Ein Reihenhaus?»

«Mit Marko?!», ruft die Frau erregt. «Dann hätten wir einmal nette Nachbarn gehabt … Nein, ein frei stehendes Haus.»

Wer ist Marko? Der cholerische Ehemann? Ein mieser Hund? Der laut bellt und Nachbarn in den Wahnsinn treibt? Oder ist Marko das Kind, das vielleicht bald ein Geschwisterchen bekommt? Laut Statistik bekommt eine Frau in Deutschland im Durchschnitt 1,35 Kinder. Abgerundet also: ein Kind. Das ist erstaunlich, denn die meisten jungen Eltern, die ich kenne, haben bereits zwei Kinder oder möchten gern ein zweites Kind machen. Zumindest in meiner Bubble.


Das eigene Haus ist doch das ultimative Ziel, für uns Spießer. Wir wollen doch besitzen und im Garten den scheiß Weber-Grill anfeuern, um die dummen Würstchen zu grillen. Nur schade, dass niemand mehr zu Besuch kommt. Aber eine halbe Stunde Autofahrt?!

Dies ist ein Essay in der Entstehung: Ich werde ihn erweitern, sobald mir danach ist und mir weitere Dinge einfallen, die zu erwähnen sind. Dies ist Version 1.0 vom 14. April 2026. Ich freue mich über Anmerkungen.