Thunderbird optimieren und Spam abwehren
Wann habe ich mich das letzte Mal über eine E-Mail gefreut? Weiß ich nicht, lange her. Meistens ballert Spam in mein Postfach oder irgendwelche Newsletter, die ich nie lese. Seit einer Weile verwalte ich meine digitale Post wieder mit Thunderbird, nachdem ich Outlook ausprobiert hatte. (Gefiel mir aber überhaupt nicht.) Thunderbird gibt es seit zwanzig Jahren und ich nutzte es die allermeiste Zeit meiner «Internet-Zeit», die um das Jahr 2000 begann. (Oder 1999, als ich mit meiner Dreamcast online ging, aber das zählt eigentlich nicht.)
Als ich 2013 mein Volontariat bei der c’t begann, schrieb ich meinen ersten Heftartikel über Thunderbird. Lag ja auf der Hand. Als das Heft erschienen war, sah ich tatsächlich einen Mann in der Stadtbahn meinen Text lesen. Fand ich ganz witzig, irgendwie. Ich bekam zudem erstaunlich viele Lesermails – damals war Thunderbird schon ein wichtiges Thema, das bestimmte Leute (Nerds) sehr bewegt hat. Später jedoch war die Zukunft des Mail-Clients ungewiss, ehe es 2017 hieß: Thunderbird bleibt bei Mozilla – und wird unabhängig.
In den vergangenen Jahren bekam Thunderbird eine nette Bedienoberfläche spendiert und neue Funktionen. Was aber weiterhin fehlt, ist eine Art «Thunderbird Sync», also eine Funktion, die Einstellungen, Filter und alles andere über mehrere Thunderbird-Installationen abgleicht. Ich habe die App auf dem iMac und dem MacBook installiert, muss also etwa meine Filter händisch abgleichen. Angeblich ist eine Synchronisation geplant, aber wer weiß.
Weiteres zum aktuellen Stand bei Thunderbird steht in meinem Artikel, den ich nun für heise+ verfasst habe: Thunderbird optimieren – E-Mails effizient organisieren und filtern. Ob ich dazu wieder Lesermails bekommen werde? (Nein, aber immerhin 145 Kommentare im heise-Forum.)
Chrome ausreizen – oder ersetzen?
Es ist quasi meine Pflicht, verschiedene Browser auszuprobieren. Und ich weiß, dass ich lieber Brave oder Vivaldi nutzen sollte – doch weiterhin ist Chrome mein Daily Driver. Da stecke ich in einem Dilemma: Zwar ist der Browser schnell, sicher und angenehm zu nutzen. Doch Google weiß alles über mich, denn natürlich habe ich auch meinen Google-Account mit Chrome verknüpft. Also gleicht Chrome meinen Verlauf, die Passwörter und die Leseliste ab, damit ich am Handy nahtlos weitersurfen kann. Vor allem habe ich die Leseliste mögen gelernt, die ist schon sehr praktisch.
Doch eigentlich stört mich die hohe Abhängigkeit von Google. Wenn ich meinen Account verlieren sollte – aus welchen Gründen auch immer – verlöre ich wertvolle Fotos, Dateien und mehr. Mein Handy schaufelt nämlich alle Bilder und Videos zu Google Fotos, wofür ich auch noch Geld bezahle. Ein NAS wäre die Lösung, hier stünde aber eine schwierige Kaufentscheidung aus: Ugreen oder Synology? (To be continued.)
Digitale Souveränität, später
Sich von Chrome und Google zu lösen, ist eine gute Idee. Das ist mir bewusst. Immerhin habe ich bereits meine Mails vor vielen Jahren von Gmail in ein anderes Postfach kopiert. Ein erster Schritt. Dann habe ich Chrome datensparsamer konfiguriert und den Privacy Badger installiert. Der blockiert Tracker und entfernt dadurch auch Werbung von Websites. Darüber schrieb ich für heise online einen Ratgeber (€): Chrome ausreizen – Datenschutz verbessern, an Vorlieben anpassen.
Der Angriff der KI-Bots
Die riesigen Sprachmodelle – LLMs – sind sehr hungrig. Massenhaft verschlingen sie Inhalte im Web. Dazu schicken ChatGPT, Claude und andere KI-Anbieter ihre Bots durchs Internet und erzeugen millionenhaft Zugriffe auf Websites. Das kann jeden treffen: Der Webentwickler Matthias Ott etwa berichtet, dass seine bei All-Inkl gehostete Website scheinbar Opfer einer DDoS-Attacke wurde. In Wahrheit war es keine Attacke – sondern eine Invasion von Bots, von KI-Scrapern, die Inhalte gierig aufsaugen, um damit Sprachmodelle zu trainieren.
Das hat negative Auswirkungen: Die Website von Ott war in einigen Ländern nicht mehr aufrufbar. Der Hoster All-Inkl hatte zum Schutz die Zugriffe aus bestimmten Ländern blockiert (ohne jedoch den Kunden darüber zu informieren). Ott resümiert: «This is where we are in 2026. There’s something happening on the Web at the moment that almost feels like watching that old arcade game Space Invaders play out across our servers.»
Was man als Seitenbetreiber dagegen tun kann, erklärt Ott ebenfalls in seinem Blog-Beitrag. Für das CMS Kirby gibt es zudem das Plug-in Dark Visitors von Maurice Renck. Es schützt vor unerwünschten KI-Crawlern. Ich selbst hatte bisher Glück: Meine kleine Website wird zumeist noch von Menschen aufgerufen (die sich erstaunlich stark für Dielen interessieren). Eines Tages surfen nur noch Bots durchs Netz, diskutieren miteinander, oder alles zerfällt.
Foto statt Instagram
Wenn ich irgendwo bin, mache ich auch Fotos. Auf Sizilien, in Tokyo, auf Rügen. Hunderte Fotos pro Urlaub, pro Reise, pro Ausflug. Wenige davon poste ich im Internet, lange Zeit bei Instagram und davor auf Flickr. Nun hat sich Instagram seltsam entwickelt, seit Meta den Laden gekauft hat; bei Insta geht's nur noch um Videos und Influencer. Auch ist die generelle Ausrichtung der Plattform eher fragwürdig, weil Mark Zuckerberg ein Weirdo ist und Trump umgarnt.
Siehe auch
- Goodbye Instagram: Die besten Alternativen für Fotografie
- Insta-Alternativen: Tolle Apps für Foto-Fans
Flickr ist weiterhin nett, mir aber zu teuer – und ohne «Pro» macht's wenig Spaß. Früher hat eine Mitgliedschaft knapp 25 US-Dollar pro Jahr gekostet. Das Geld habe ich gern investiert und Yahoo in den Schlund geworfen. Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei, befürchte ich, hoffe aber weiterhin auf eine Wiedergeburt. Die erlebt wohl gerade Tumblr, seit die Gen Z die Plattform entdeckt hat. The revival is real!
Foto und Glass
Dann gibt es noch die beiden neuen Apps Foto und Glass, die sich als Alternativen zum heutigen Instagram positionieren. Foto ist schon nett, aber da ist noch wenig los; Glass ist schick, kostet aber 40 US-Dollar im Jahr. Ohne Bezahlung darf man keine Fotos posten und die App nervt mit dem Hinweis, doch bitte Geld zu investieren. Tja, meine Wahl fiel nun erst mal auf Foto, da poste ich gelegentlich was und schaue, ob etwas passiert. Neuerdings gibt es dort auch öffentliche Profile, das da ist meins: the.fotoapp.co/danielberger. Folge mir sogleich!
- Update, 16. Februar: Zwei Dinge stören mich an Foto. Erstens ist die App langsam, die Ladevorgänge dauern einfach zu lange. Zweitens ist da zu wenig los! Ich scrolle herum und denke: Kenne ich doch schon. Instagram wirkt im Vergleich dazu rasant und voll. Da gibt es gar kein Ende.
Digitale Souveränität und E-Mail aus Europa
Seltsamerweise spielen E-Mails weiterhin eine wichtige Rolle im Internet. Allein, dass man sie für alle möglichen Accounts benötigt. Nun wäre es eine gute Idee, seine Mails von einem europäischen oder deutschen Anbieter verwalten zu lassen, um sich von Big Tech zu lösen und die digitale Souveränität zu stärken. Posteo statt Gmail!
Mein Kollege Daniel Ziegener stellt auf heise online einige Anbieter vor, die dafür infrage kommen: Sichere E-Mail-Alternativen aus Europa im Vergleich.
In den Kommentaren zum Artikel schrieb ein Nutzer, dass es allerdings noch besser sei, eine eigene Domain zu erwerben und Mails von einem deutschen Hoster verwalten zu lassen. So mache ich das auch: Meine Domains, Mails und den Webspace verwaltet All-Inkl, eine Firma aus Sachsen. Für mein Hosting-Paket zahle ich 120 Euro im Jahr, was natürlich ganz schön viel ist. Es geht deutlich günstiger, aber ich probiere gern herum und bestelle Domains für Projekte, die ich niemals umsetze. Außerdem betreibe ich meine eigene Cloud (mit Nextcloud).
Domainendung als Problem
Der Leser schrieb auch noch, dass .net-Domains «anfällig für Beschlagnahme durch US-Behörden» seien. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Verwaltet wird die generische TLD durch Verisign, eine US-Firma. Normalerweise erfolgt die Beschlagnahme von Domains durch Ermittlungsbehörden zur Bekämpfung von Cyberkriminalität, Anlagebetrug oder Urheberrechtsverletzungen. Könnte nun aber die derzeitige US-Regierung auf die verrückte Idee kommen, .net-Domains zu beschlagnahmen, weil ihnen der Besitzer nicht passt? Oder die Inhalte?
Ich mag .net, weil «net» in «Internet» steckt
Wird Trump eines Tages auf irgendeiner Bühne stehen und erregt brüllen: «Die Europäer nehmen uns alle Domains weg!» Endlich bekäme ein Daniel Berger aus West Virgina danielberger.net überschrieben. Schade für mich: Mein Name ist so generisch, dass passende .de-Domains längst vergeben sind. Und eigentlich mag ich .net, weil net in Internet steckt. Ist doch nett, ne? Außerdem ist die Endung so alt wie ich: .net wurde 1985 eingeführt, als ich mit verklebten Augen das Licht der Welt erblickte. Also hoffe ich einfach, dass es für immer meine Domain bleibt. Soll Mr. Berger aus West Virginia doch danielberger.us erwerben!