Handy geklaut!

Es ist weg, meine Taschen sind leer – da ist nichts. Eben in der Bahn war es brechend voll. Da stand auch so ein komischer Kerl mit langen Haaren und einem langen Fingernagel. Ich musste mich an ihm vorbeiquetschen, weil er keinen Platz machen wollte. Mit mir zusammen stiegen viele andere Leute aus. Endlich draußen, dann die Rolltreppe nach oben. Dort griff ich an meine Gesäßtasche, aber da war nichts; griff an die Jackentasche, da war auch nichts. Oh nein. Hat mir jemand das Smartphone aus der Tasche gezogen? Denkbar, absolut. Oder habe ich das Handy zu Hause liegen lassen; dass ich es einfach vergessen habe? Aber schaute ich nicht eben noch aufs Display, um die Uhrzeit zu erfahren? Fuck.


Was kann ein Dieb überhaupt mit meinem Handy anfangen? Entsperren kann er es eigentlich nicht, mein Code ist sicher und ich habe meinen Fingerabdruck hinterlegt. Ärgerlich ist es dennoch: Auf dem Handy sind so viele wichtige Apps installiert, die ich für meinen Alltag brauche. Ohne Handy kein Banking, kein PayPal, kein zweiter Faktor. Und ich spare keine zehn Prozent mehr bei Rossmann.

Immerhin kann man ein Handy aus der Ferne sperren: Google bietet hierfür die Funktion «Mein Gerät finden», bei Apple heißt sie «Wo ist?». Auch Inhalte lassen sich damit remote löschen. Das Gerät muss jedoch weiterhin mit dem Internet verbunden sein (mobil oder WLAN).

Herr Wachtmeister, der Mann mit dem langen Fingernagel ist ein mieser Dieb!

Beruhigend, dass ein Dieb wahrscheinlich nicht an meine privaten Fotos herankommt, die ja auch in meiner Google-Cloud liegen. Verloren geht also nur die Hardware, nicht aber die Inhalte. (Ich achte darauf, dass alles, was auf dem Handy ist, auch in die Cloud fliegt.) Zur Polizei müsste ich noch gehen und Anzeige erstatten: «Herr Wachtmeister, ich weiß es genau: Der Mann mit dem langen Fingernagel war es, er ist ein mieser Dieb!»

Allein für die Versicherung ist so eine Anzeige bestimmt nötig. Hierbei ist es sinnvoll, die IMEI-Nummer zu kennen, um das Gerät eindeutig zu identifizieren. Die steht auf der Verpackung (und im Handy in den Einstellungen). Ich gehöre glücklicherweise zu den Menschen, die sämtliche Packungen aufheben, selbst der Riesenkarton von meinem defekten VanMoof steht noch im Keller. Die IMEI wäre damit schnell herausgefunden. Menschen, die besser als ich organisiert sind, besitzen einen Ordner, in dem diese wichtigen Daten abgelegt sind. Die Kartons könnten dann sogar in den Papiermüll. Eigentlich. Theoretisch.


Ich nehme die Bahn nach Hause. Den Verlust habe ich einigermaßen akzeptiert, in meiner Schublade liegt noch ein altes Pixel 3 als Ersatzgerät. Ich benötige lediglich eine neue SIM-Karte. Ich schließe die Wohnungstür auf, mein Blick springt sogleich zum Schuhschrank: Da liegt das Handy oft, aber nicht jetzt. Ich schaue auf dem anderen Schrank nach, doch da liegt es auch nicht. Auch nicht auf dem Esstisch, auch nicht auf dem Sofa.

Aber da ist es doch! Ich freue mich schon. Leider ist es nur die Fernbedienung vom Fernseher, die auf der Fensterbank liegt. Es ist wirklich weg, denke ich. Da hat mir echt jemand das Handy geklaut. Das Gefühl ist seltsam, wie damals, als jemand mein Fahrrad gestohlen hat. Ich gehe am Vertiko im Westflügel vorbei, ein alter Schrank, auf dem Lego-Sets herumstehen, außerdem einige Kameras. Und tja, da liegt es, da liegt mein Handy. Einfach so. Da ist eine ziemliche Erleichterung, ich kann endlich wieder bei Instagram nachschauen, was coole Leute so machen. Nice.

Street Photography macht keinen Spaß

Manchmal flaniere ich durch die Stadt und fotografiere dabei Dinge: hübsche Hauswände, alte Autos, Straßen, Mülltüten und was mir sonst ins Auge fällt. – Plötzlich ruft ein Mann: «Entschuldigung?» – Ich bleibe stehen: «Ja, bitte?» – Was ich da fotografieren würde, will der Fremde in Funktionsjacke wissen. Er steht mit seinem Fahrrad auf der Straße und bäumt sich einigermaßen auf. Ich seufze. Nun muss ich wieder erklären, was ich da tue. Eigentlich möchte ich nur ungestört durch die Straßen streunen. Möchte gelegentlich ein Foto machen. Ich fotografiere gern Sachen, die andere ignorieren. Und manchmal fotografiere ich sogar Fremde; klassische Street Photography eben.

Was macht der da?! Den Typen im Spiegel fotografieren.

Immer wieder muss ich diesen Umstand erklären. Vor allem in Hannover. Ein Kerl wollte mich sogar schlagen, mir die Fresse polieren. Womöglich ein Zuhälter, ein kleiner Gauner. Ein anderer Mann wollte mich auch schlagen, aber ich war schneller (und nüchtern). Die Leute – Männer – sind erstaunlich aggressiv, dabei habe ich nur eine Wand fotografiert, eine bunte Fassade. Es sei eben merkwürdig, wenn jemand durch die Straße schleicht und sämtliche Klingelschilder abfotografiert, argumentiert der Mann in der Funktionsjacke. Und die Nummernschilder! Ist das überhaupt legal?

Dass ich gar keine Klingelschilder und Nummernschilder fotografiere, glaubt der Mann mir nicht. Es habe Einbrüche gegeben. Zweimal beim Nachbarn, behauptet der Mann. Ich bin quasi ein Verdächtiger. Am liebsten würde der Mann die Bullen rufen. (Einmal hat jemand tatsächlich die Polizei alarmiert und ich musste mich ausweisen. Ich habe aber nichts Verbotenes gemacht, nur fotografiert. Es gilt ja auch die Panoramafreiheit – und so weiter.)

I'm a Creep, I'm a Weirdo

Es sind solche Begegnungen, auf die ich keine Lust mehr habe (und nie hatte). Ich habe keine Lust mehr, mich regelmäßig zu rechtfertigen. Erstaunlich ist, dass es an der Kamera liegt: Jeder Vollidiot kann heute heimlich und unauffällig mit dem Smartphone fotografieren und sogar 4K-Videos aufnehmen; in der Bahn die Leute abfilmen und vieles mehr. Kriegt eben keiner mit. Wenn ich aber mit einer Sony Alpha oder einer Fuji X-T3 durch die Gegend renne, schon. Da schauen die Leute und fragen sich: «Was macht der Triebtäter da?» Ich bin der Creep, der angezeigt gehört! Dabei schaue ich nur genau hin und fotografiere die Struktur der Stadt, auf die das warme Sonnenlicht fällt. Es sind die Kleinig–

«Blablabla!», brüllt der Kerl oben aus dem dritten Stock. Er lehnt sich weiter aus dem Fenster. Hat nur ein Unterhemd an. Mit gelben Flecken. «Is‘ das jetzt Kunst, oder was?» Er hat mich dabei erwischt, wie ich irgendeinen Schrott auf der Straße fotografiert habe. «Ist doch Quatsch!» Also gut: Ich werde ab sofort Tierfotograf. Die Biester halten wenigstens ihr Maul.

Fremde Mails lesen

Ich habe eine alte Gmail-Adresse mit einem Nutzernamen, der als Wortspiel gedacht war, aber auch einem echten Nachnamen entspricht. Das wusste ich damals bei der Einrichtung nicht und war verwundert, als ich E-Mails von einer Renate erhielt. Sie hatte sich selbst in CC gesetzt, aber meine Adresse (mit ihrem Nachnamen) eingetragen. Zehn Jahre lang erhielt ich regelmäßig Nachrichten von Renate. Und es trudelten immer mehr E-Mails ein, die an andere Leute gerichtet waren. Sie alle hatten meine Adresse genutzt, um sich etwa bei einem Onlineshop anzumelden.


Neulich war Lou in einem Geschäft, in der Etam-Filiale in Niort, Frankreich. Hier hat sie am 11. Dezember um 16:29 Uhr und 52 Sekunden eine Bestellung aufgegeben und dazu meine Mail-Adresse genutzt, weshalb ich die Bestätigung gelesen habe und nicht Lou. Im weiteren Verlauf erhielt ich weitere Mails, die mich auf dem neuesten Stand hielten: Die Bestellung sollte in «zwei bis fünf» Tagen bei Etam eintreffen, schrieb das Unternehmen am 12. Dezember. Bereits einen Tag später war die Bestellung auch schon eingetroffen: «Bitte holen Sie sie ab, Lou!»

Doch sie erhielt diese Mail nicht, sodass ich mir Sorgen machte: Würde Lou trotzdem an ihre neue Unterwäsche denken? Glücklicherweise ja: Heute war sie um 15:04 Uhr bei Etam und hat die Bestellung abgeholt. Ich erhielt sofort eine weitere E-Mail: «Wie war denn der Einkauf?» Würde Lou die Boutique weiterempfehlen? Leider weiß ich es nicht, und Lou wird ihr Feedback nicht abgeben können; sie hat den Link zur Umfrage nicht erhalten.

Ich war neugierig, was ich über Lou im Netz herausfinden würde: Ich fand sie bei Facebook und bei LinkedIn, und ich weiß deshalb, in welcher Stadt sie lebt und arbeitet. Außerdem fand ich auch ein Foto von ihr und weiß deshalb, wie alt Lou ungefähr ist. Ich werde ihr wohl schreiben: «Liebe Lou, Etam möchte unbedingt wissen, wie du deinen Einkauf fandest. Dein Feedback ist total wichtig, bitte melde dich!» Oder ich lösche die Mails einfach.

Die Mails der Anderen

Vor einer Weile habe ich aus den fremden Mails einen Text zusammengestellt, der die Menschen, die meine Adresse nutzen, vorstellt. Es ist erstaunlich, was ich über sie herausfinden konnte: Haley aus den USA zum Beispiel ist ein offenes Buch. Ich weiß, wie ihre beiden Kinder heißen, ihr Mann, ihre Freunde. Sie schreibt einfach alles in ihr Facebook-Profil, das jeder einsehen kann. Ich weiß, wo Haley arbeitet und ich kenne sogar ihr Nummernschild. Und das nur, weil ihr damn Autocorrect ihre Mail-Adresse verschlimmbessert hat. Ich werde mich jedenfalls bei Böhmermann bewerben – ich denke, dass ich bei Lass dich überwachen gute Arbeit leisten könnte.

Schlechte Google-Bewertungen loswerden

Vor einigen Jahren besuchte ich mit meiner Frau ein Restaurant in Nürnberg. Vom bestellten und verspeisten Bauernsalat war ich jedoch so enttäuscht, dass ich eine kritische Google-Rezension verfasste: «Mein griechischer Bauernsalat hatte nur vier Oliven und war insgesamt etwas klein – aber teuer (10 Euro).» Ich fügte noch ein Beweisfoto bei, das die besagten vier Oliven zeigte – mehr als 12.000-mal wurde das Bild seitdem aufgerufen.

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Streaming: Neue Folgen gibt’s nur wöchentlich

Wir haben eine neue Serie entdeckt: Pluribus bei Apple TV, eine Serie vom Breaking-Bad-Erfinder Vince Gilligan. Wir schauten uns zügig durch die ersten Folgen, dann der Schock: Nach Folge 5 war erst mal Schluss. Wir mussten bis Freitag warten, erst dann erschien Folge 6, und auch nur die. Wie damals, als ich auf eine neue Folge Akte X warten musste.

Bei Stranger Things macht Netflix das ähnlich: Die fünfte Staffel wird in drei Teile zerrissen. Furchtbar. Früher haben Netflix & Co. einfach alle Folgen einer Staffel auf einmal veröffentlicht. Ein echter USP gegenüber dem linearen Fernsehen. Ein paar Jahre später habe ich drei, vier Streaming-Dienste abonniert, zahle viel zu viel Geld für das Entertainment – und muss trotzdem eine Woche auf eine neue Pluribus-Folge warten.

Eigentlich, und das wäre ja schlau, müsste ich Apple TV kündigen und so lange warten, bis sämtliche Pluribus-Folgen online sind. Geht aber auch nicht, ich bin ja neugierig. Und das ganze Internet redet von Pluribus, wie damals bei GoT oder Severance. Ich will doch dabei sein, wie früher, als wir in der Schule die neueste Akte-X-Folge besprochen haben, die am Abend zuvor bei ProSieben lief. Carol hat also was entdeckt?!