Digitale Souveränität und E-Mail aus Europa

Seltsamerweise spielen E-Mails weiterhin eine wichtige Rolle im Internet. Allein, dass man sie für alle möglichen Accounts benötigt. Nun wäre es eine gute Idee, seine Mails von einem europäischen oder deutschen Anbieter verwalten zu lassen, um sich von Big Tech zu lösen und die digitale Souveränität zu stärken. Posteo statt Gmail!

Mein Kollege Daniel Ziegener stellt auf heise online einige Anbieter vor, die dafür infrage kommen: Sichere E-Mail-Alternativen aus Europa im Vergleich.

In den Kommentaren zum Artikel schrieb ein Nutzer, dass es allerdings noch besser sei, eine eigene Domain zu erwerben und Mails von einem deutschen Hoster verwalten zu lassen. So mache ich das auch: Meine Domains, Mails und den Webspace verwaltet All-Inkl, eine Firma aus Sachsen. Für mein Hosting-Paket zahle ich 120 Euro im Jahr, was natürlich ganz schön viel ist. Es geht deutlich günstiger, aber ich probiere gern herum und bestelle Domains für Projekte, die ich niemals umsetze. Außerdem betreibe ich meine eigene Cloud (mit Nextcloud).

Domainendung als Problem

Der Leser schrieb auch noch, dass .net-Domains «anfällig für Beschlagnahme durch US-Behörden» seien. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Verwaltet wird die generische TLD durch Verisign, eine US-Firma. Normalerweise erfolgt die Beschlagnahme von Domains durch Ermittlungsbehörden zur Bekämpfung von Cyberkriminalität, Anlagebetrug oder Urheberrechtsverletzungen. Könnte nun aber die derzeitige US-Regierung auf die verrückte Idee kommen, .net-Domains zu beschlagnahmen, weil ihnen der Besitzer nicht passt? Oder die Inhalte?

Ich mag .net, weil «net» in «Internet» steckt

Wird Trump eines Tages auf irgendeiner Bühne stehen und erregt säuseln: «Die Europäer nehmen uns die schönen Domains weg!» Endlich bekäme ein Daniel Berger aus West Virgina danielberger.net überschrieben. Schade für mich: Mein Name ist so generisch, dass passende .de-Domains längst vergeben sind – ein Schauspieler war schneller. Und eigentlich mag ich .net, weil «net» in «Internet» steckt. Außerdem ist die Endung so alt wie ich: .net wurde 1985 eingeführt, als ich mit verklebten Augen das Licht der Welt erblickte. Also hoffe ich einfach, dass es für immer meine Domain bleibt. Soll Mr. Berger aus West Virginia halt danielberger.us erwerben!

Kommentare oder Kritik? Schreib mir gern eine E-Mail.

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Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover, er schreibt Artikel über das Internet. Außerdem bloggt er Stadtgeschichten über Hannover. Mehr