Der glückliche Kassierer

Ich bin jetzt auch Kassierer. Mein einziger Kunde: ich. Der Rewe um die Ecke hat nämlich neuerdings vier Selbstbedienungskassen, die fast immer frei sind, denn die Leute stehen lieber weiterhin an Kasse #1 an. Ich hingegen meide jeden Kontakt mit Menschen (im Supermarkt) und bin geradezu glücklich, mein Ding an der DIY-Kasse zu machen. Ich wiege Bananen ab, buche Maracujas ein und scanne wie in Trance die Barcodes der Produkte.

Bei meinem ersten Besuch erhielt ich noch eine kurze Einweisung vom Kassiermeister, da er sah, dass ich zu doof war, die Bananen korrekt zu wiegen und zu verbuchen. Doch nun habe ich das drauf und bin in Windeseile wieder raus aus dem Supermarkt – ein Traum.

Mein einziger Kunde: ich!

Traditionalisten sind natürlich nicht so euphorisch wie ich, sie weinen noch den alten Kolonialwarenläden hinterher, in denen die Menschen aus der Steinzeit einkaufen gehen mussten. Sie zahlen weiterhin am liebsten mit Bargeld, auf den Cent passend – und das dauert. Wie oft habe ich in der Schlange an Kasse #1 strafrechtlich relevante Gedanken gehabt, die ich nur allzu gern in die Tat umgesetzt hätte, aber ich möchte nicht ins Gefängnis, da ist das Essen so schlecht. Also litt ich still und verfluchte gedanklich jeden, der im Portemonnaie nach Centmünzen kramte. Aber macht ruhig, was ihr wollt, ich stehe ja jetzt allein an meiner kleinen DIY-Kasse und kassiere mich selbst ab.

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Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover. Er schreibt Artikel über das Internet, außerdem bloggt er über Technik, Politik und das Schreiben. Mehr