Gute Bücher über Arbeit

Die Absurdität des Arbeitslebens interessiert mich seit ich «Das Büro» (Werbung) von J. J. Voskuil gelesen habe. Darin geht es um Maarten Koning, der ziemlich unglücklich seiner Lohnarbeit als wissenschaftlicher Beamter nachgeht. Das Buch spielt in Amsterdam und beginnt im Jahr 1957; die nachfolgenden Bände 2 bis 7 decken weitere Jahrzehnte im Büro ab, bis Koning schließlich in Frührente geht. Leider sind Band 2 ff. nicht als Taschenbuch erhältlich, sondern nur als Hardcover, die im Verbrecher-Verlag erschienen sind. Deren minimalistische Cover finde ich leider ganz fürchterlich1.

  1. Den ersten Band hatte ich in einer anderen Fassung erworben, nämlich als Hardcover aus dem Verlag C.H. Beck. Toller Roman übrigens, ich kann die Lektüre sehr empfehlen.

Natürlich behandeln nicht nur Romane das Thema Arbeit, sondern auch philosophische Werke. Vor einigen Jahren hatte ich «Bullshit Jobs» (Werbung) von David Graeber († 2020) gelesen2, aber ich erinnere mich nicht mehr so recht an den Inhalt. Geschwind fragte ich das Internet, dessen Wissen ich nun paraphrasiere: Der Autor untersucht also Beschäftigungen, deren Sinn selbst diejenigen bezweifeln, die sie ausüben – und bei denen trotzdem alle so tun müssen, als seien sie notwendig. Da sitzen also Büroarbeiter, tippen lange Berichte, die dann niemand liest. Völlig sinnlos.

  1. Nachtrag: Im Nachhinein fiel mir ein, dass ich gar nicht «Bullshit Jobs» gelesen habe, sondern «On Bullshit» von Harry Frankfurt! Ups. Den Inhalt von «Bullshit Jobs» erfuhr ich stattdessen von Blinkist. Die Plattform fasst Sachbücher prägnant zusammen, sodass man viel Zeit sparen kann. Denn mal ehrlich: Man muss «Atomic Habits» nicht selbst lesen, eine Zusammenfassung reicht völlig aus. Das gilt für viele moderne Sachbücher: Sie haben eine interessante These, die dann auf zu vielen Seiten ausgewalzt wird.

Welche lesenswerten Werke zum Thema gibt es noch? In «Private Regierung» (Werbung) fragt Elizabeth Anderson, warum wir politische Freiheit hochhalten, zugleich aber weitreichende Fremdbestimmung am Arbeitsplatz akzeptieren. Sie sieht Unternehmen als private Herrschaftsordnungen, deren Macht wir zu selten ausdrücklich diskutieren. US-Unternehmen sind für Anderson Diktaturen, wie sie in einem Interview ausführt: «Arbeitnehmer erleben am Arbeitsplatz alle möglichen Arten willkürlicher und ihre Würde verletzender Behandlungen. In Europa mögen Arbeitnehmer besser geschützt sein, aber auch da gibt es sehr verletzbare Gruppen, die leicht zum Opfer werden können, etwa Zeitarbeiter.»

Ist harte Arbeit moralisch sinnvoll? Nein, meint Bertrand Russell. In «Lob des Müßiggangs» (Werbung) plädiert er für kürzere Arbeitszeiten und mehr freie Zeit für Bildung, Genuss und gesellschaftliches Leben. Klingt doch toll, oder? Vor vielen Jahren habe ich passend dazu bereits die «Anleitung zum Müßiggang» (Werbung) von Tom Hodgkinson gelesen; er gibt mit «The Idler» auch eine Zeitschrift heraus, die sich dem Thema widmet (lesbar etwa bei Readly). Wer «faul» ist, geht gelassener durchs Leben. Dass man Arbeit nicht zu ernst nehmen soll, versteht sich von selbst – ist in der Realität aber eben nicht so einfach.

Hinweis: Die Werbelinks führen zu Amazon. Wenn du ein Buch über einen der Links bestellst, erhalte ich eine kleine Provision, wobei der Preis für dich natürlich gleich bleibt. Alternativ sind die Bücher bestimmt auch im Buchladen um die Ecke zu bekommen. In meinem Fall hasse ich den Laden um die Ecke jedoch, weil die Verkäuferin fies zu meinem Sohn war! Aus Rache bestelle ich nun wöchentlich Bücher bei Amazon. Mein Therapeut hält nichts von dieser sonderbaren Rache, aber soll er doch reden!

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Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover. Er schreibt Artikel über das Internet, außerdem bloggt er über Technik, Politik und das Schreiben. Mehr