Instagram: Zurück im Strom
Glosse. Ich habe einen großen Fehler gemacht und das Zeitlimit für Instagram in Android deaktiviert. In den Weihnachtstagen und zwischen den Jahren versackte ich also regelmäßig in der knallbunten Gaga-Welt von Insta und konsumierte zu viele Clips. Instagram ist wie Heroin und das Zeitlimit sollte mich schützen. Wenigstens ein wenig.
Wir sind süchtig nach dem Stoff, nach den bunten Clips, dem Content, dem Entertainment. Jede Story macht uns ganz kurz «glücklich». Doch Instagram ist voller Schrott, voller Junk. Es bleibt nichts hängen wie bei einem guten Buch oder Film, alles rauscht über den Bildschirm – und niemals hört es auf.
Schuld daran sind Content Creator. Und ich verstehe das: Wenn man mit Insta gutes Geld verdient, ist das doch wunderbar. Es gibt schlimmere Jobs. Was ich immer weniger verstehe: Wenn Privatpersonen Inhalte bei Insta posten und den Strom mit persönlichen Inhalten auffüllen. Seht her: Ich war joggen! Ich bin auf Bali! Mein Leben ist aufregend, wunderbar und voller toller Erlebnisse. Dabei lümmeln die Leute oft nur auf dem Sofa herum und bearbeiten ihren Content, um ihn für ein paar Likes zu posten. Fischen im Trüben nach Komplimenten. Boah, bist du aber fleißig und sportlich und aufregend sexy. Doch leider hat nichts mehr irgendeine Bedeutung.
Content Creator sind Dealer, die den Kunden den Stoff geben, der die Hirne angenehm vernebelt. Niemand sollte mehr irgendetwas bei Insta posten, damit die Ströme endlich austrocknen und wir befreit werden aus den Klauen dieser lustigen Bestie. Bis dahin habe ich das Zeitlimit wieder scharf gestellt: 15 Minuten Insta am Tag müssen reichen. Gebt mir einen Like!
Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover, er schreibt Artikel über das Internet. Außerdem bloggt er Stadtgeschichten über Hannover. Mehr